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Facebook schlachtet haekelschwein

01.09.2011 15:48

Zum leidigen Thema der Klarnamenpflicht kann ich nun auch eine persönliche Erfahrung beisteuern: Facebook hat meinen Account gesperrt, da ich dort als „Haekel Schwein“ angemeldet war.

Die Sperrung erfolgte nicht, weil ich dort der Einzige mit Pseudonym war, sondern im Grunde gerade deshalb, weil dieses Pseudonym deutlich als solches erkennbar war. Ein Pseudonym namens „Hans Eber“ hätte keine Sperrung erfahren, denn Facebook verlangt bei der Anmeldung ja gerade nicht, dass man sich per Post-Ident-Verfahren ausweisen muss, wie es bei der Eröffnung eines Onlinebankkontos der Fall ist.

Im Grunde will Facebook, ebenso wie Google+, also keine Realnamen und auch keine überprüften Identitäten, sondern real klingende Namen. Ist das Selbstbetrug? Wohl eher eine Illusion gegenüber den Werbekunden, denen man vormachen kann, dass jedes Nutzerkonto eine reale Person sei, weil die Namen doch so aussähen wie jene im Telefonbuch.

Ich hatte den Facebookaccount ursprünglich nur angelegt, um meine Tweets dort automatisch zu posten, also als weiteren Veröffentlichungskanal. Er entwickelte sich aber zu einem Ort, wo meine Tweets direkt kommentiert wurden und kleine Gespräche darunter entstanden, was bei Twitter schwieriger ist, da nicht jedermann alle Antworten mitbekommt. Auch zeigte sich, dass dieselben Tweets bei Facebookern und Twitterern manchmal ganz unterschiedlich ankommen.

Irgendwann habe ich eine zusätzliche sogenannte Fanseite angelegt, um meine Tweets dort hineinzuleiten statt ins Profil, damit jene Friends, die mir auch bei Twitter folgen, nicht alles doppelt lesen müssen, sondern sich getrennt für die Anzeige der Tweets in ihrem Facebookstream entscheiden können.

Fanseiten haben den Vorteil, dass Pseudonyme dort erlaubt sind, in meinem Falle „Haekelschwein“. Leider kann man unter seinem Fanseitenpseudonym nicht alles machen, was unter dem Profilnamen möglich ist.

Ich hatte zunächst erwogen, nach Einrichtung der Fanseite mein Profil auf meinen Realnamen umzustellen, aber dagegen sprach, dass Tausende von Schweinchenfotos meiner knapp zweitausend Friends bereits mit dem Namen „Haekel Schwein“ getaggt waren, und es hätte wohl viele Betrachter verwirrt, wenn das gehäkelte Schweinchen auf deren Bildern plötzlich einen Personennamen trüge.

Der Wunsch nach Anonymität spielte in meinem Falle keine Rolle, wenngleich ich ihn sonst als triftigen Grund für das Recht auf Pseudonyme betrachte. Ich hatte ja meine Homepageadresse angegeben, in deren Impressum mein Name genannt wird. Es ging mir lediglich darum, dass ich das Facebookkonto nur für einen Teilaspekt meiner Persönlichkeit betrieb, also den Twitterer, Blogger und haekelschwein-Verkäufer. Für meine anderen Hobbys, Unternehmungen und sozialen Rollen habe ich andere Plattformen.

Jeder Mensch hat im Realleben unterschiedliche Rollen und bewegt sich in mehreren verschiedenen Kreisen, die dort örtlich getrennt sind, während sie im Netz durch verschiedene Pseudonyme und Onlineplattformen getrennt sind. Das hat mit Separierung mehr zu tun als mit Geheimhaltung. Niemand sähe es wohl gern, wenn sich am Stammtisch plötzlich seine Mutter dazugesellte oder die Freundin der Tochter, obwohl er andernorts gerne mit ihnen spricht. Man beachte dazu auch meinen älteren Blogeintrag.

Warum Pseudonyme grundsätzlich wichtig sind, zeigt die Liste theoretisch Betroffener.

 

Nachtrag: Das alte Profil wurde nicht entsperrt, aber ich habe ein neues unter meinem Realnamen und eine dazugehörige haekelschwein-Facebookseite.

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